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Die 5 reichsten Länder der Welt

Foto: Wikimedia Commons, Raul Heinrich

Mehr als fünf Jahre nach der Rezession ist der Aufschwung der Weltwirtschaft durchwachsen.

Viele der größten Volkswirtschaften Europas haben immer noch mit hoher Arbeitslosigkeit zu kämpfen und liebäugeln mit einer erneuten Rezession, während sich Japan, die Vereinigten Staaten und andere führende Nationen der Welt mit ausufernden Schuldenlasten herumschlagen. Für einige Länder war Wachstum in den letzten paar Jahren nur ein Traum — und die Bürger dieser Länder fragen sich, wo der Wohlstand geblieben ist.

Für die reichsten Nationen der Welt hat sich der Aufschwung jedoch zusätzlich positiv auf deren ohnehin boomende Wirtschaft ausgewirkt, welche durch starke Gewerbesektoren, reiche Ressourcen oder andere Faktoren gesichert sind. Aber wer macht das Beste aus der Nachrezessionszeit? Lassen Sie uns einen Blick auf die fünf reichsten Länder der Welt werfen — wie sie nach den Schätzungen des Internationalen Währungsfonds für das Jahr 2014 ausgehend vom nach Kaufkraftparität bereinigten Pro-Kopf-BIP aufgereiht werden — und schauen, warum diese Spitzenreiter so erfolgreich sind.

5: Norwegen, 56.222 US-Dollar BIP pro Kopf
Das wohlhabendste Land Skandinaviens ist gleichzeitig das Ressourcenreichste. Die von Norwegen geförderte Wirtschaft hat die Rezession gut überstanden: Das Land glänzt mit einer Arbeitslosenquote von gerade mal 3,4 %, die weit unter der Quote des Euroraums von 11,5 % liegt, was das Land seiner grundsoliden Erdölindustrie zu verdanken hat. Norwegen ist der größte Erdölproduzent des Kontinents und mit diesem Vorteil konnte das Land einen Staatsfonds von 860 Milliarden US-Dollar zusammensetzen. Nach Schätzungen des IWF ist die norwegische Wirtschaft zwischen 2009 und 2013 insgesamt um mehr als 12,2% gewachsen, ein im Vergleich zu den sich abmühenden europäischen Volkswirtschaften Spanien und Italien sensationell erfolgreiches Comeback.

Aber wird Norwegens Öl für die Zukunft seines Volks ausreichen? Bedenken genau darüber werden immer größer. Laut Reuters erwartet die Zentralbank des Landes für das Jahr 2015 einen Rückgang von mit Öl und Gas verbundenen Investitionen von bis zu 10% sowie eine weitere Verschlechterung für das folgende Jahr. Die Ölpreise haben sich trotz Unruhen im Nahen Osten weitgehend stabilisiert und durch wachsende Kosten für Energiekonzerne denken Unternehmen mit Vorsicht.

Statoil

Statoils Bohrplattform Troll B. Quelle: Hakon Thingstad via Wikimedia Commons.

Statoil (NYSE: STO) (ETR: DNQ), der größte staatseigene Ölriese des Landes hat sich zum Ziel gesetzt, seine Betriebskosten aus 2013 bis zum Jahr 2020 drastisch bis zu 15% zu kürzen, damit seine Gewinnmargen weiterhin schneller als seine steigenden Kosten wachsen. Der Plan hat Investoren bisher zufrieden gestellt und die Statoil-Aktie ist während des letzten Jahres um mehr als 13% nach oben geklettert. Jedoch hat das Unternehmen kürzlich kostspielige Pläne zu einem kanadischen Ölsandprojekt Ende September aufgrund von Kosten- und Transporterwägungen beträchtlich gesenkt, was die Fortschritte des Projekts um mindestens drei Jahre verzögert, und auch die politische Unbeständigkeit in Osteuropa lässt Investoren — und Volkswirtschaftler — genau hinschauen.

Dennoch hat der IWF ein optimistisches Bild von Norwegens Wachstumspotential gezeichnet und geht davon aus, dass Norwegens BIP pro Kopf zu Kaufkraftparitäten zwischen 2014 und 2019 um mehr als 15% wachsen wird. Jedoch sieht die Organisation auch vorher, dass schneller wachsende Volkswirtschaften — wie die USA — Norwegens Wohlstand bis dahin aufholen und überholen werden. Das Land hat seinen Platz unter den fünf reichsten Ländern vielleicht nicht mehr lange sicher.

4: Brunei, 56.285 US-Dollar BIP pro Kopf
Betrachten Sie die kleine südostasiatische Nation Brunei als einen weiteren Nutznießer von Erdöl und Erdgas. Im Jahr 2012 machten Öl- und Gasförderung mehr als die Hälfte des Gesamt-BIP des Landes aus, mit erheblichen Exporten insbesondere nach Japan, Südkorea, China und Australien. Brunei hat aktuell einen Vertrag mit seinem Nachbarn Malaysia zu Fortsetzung von Offshore-Öl- und Gasförderung unterzeichnet, womit der Aufrechterhaltung des Wohlstands dieser Nation, deren Bevölkerung nach Schätzungen aus 2013 lediglich 415.000 Menschen ausmacht, nur geholfen ist.

Während Norwegen sich um das nahegelegene Russland sorgt, hat Brunei vom Aufstieg der lokalen Supermacht China profitiert. Obwohl es zwischen China und seinen asiatischen Nachbarn in letzter Zeit politische Auseinandersetzungen gab, hat Asiens größte Volkswirtschaft eine Vertiefung der Beziehungen zum Verband Südostasiatischer Nationen (ASEAN, von englisch Association of Southeast Asian Nations), einem wirtschaftlichen und politischen Block, dem auch Brunei angehört, sichergestellt. China hat darauf gesetzt, seinen Handel mit ASEAN zu stärken und seine Investitionen in Südostasien zu steigern. Außerdem nimmt Brunei derzeit an den laufenden Gesprächen zur Transpazifischen Partnerschaft, einer geplante Handelspartnerschaft zwischen den USA, Japan, Kanada und anderen führenden Volkswirtschaften des pazifischen Raums, teil.

Während die Abhängigkeit des Landes von Energie für den Großteil seines Wohlstands Brunei an die Erdöl- und Erdgasmärkte bindet, verheißen die kleine Größe der Nation und die zunehmenden Verbindungen zu seinen Nachbarn Gutes für seine wirtschaftliche Zukunft.

3: Singapur, 67.035 US-Dollar BIP pro Kopf

Singapore

Das Hauptgeschäftsviertel von Singapur. Quelle: Raul Heinrich via Wikimedia Commons.

Brunei ist nicht das einzige ASEAN-Mitglied, das es auf die Liste geschafft hat. Mitgliedspartner Singapur liegt nach Pro-Kopf-BIP weltweit auf Rang drei und die Rezession hat dieses Kraftwerk kaum ausgebremst: IWF-Daten vermerken, dass Singapurs BIP bereinigt um die Kaufkraftparität zwischen 2008 und 20013 um mehr als 37% angestiegen ist, und das Weltwirtschaftsforum hat die Wirtschaft des Landes 2014 als die zweitwettbewerbsfähigste Wirtschaft der Welt eingestuft, sowohl vor den USA als auch Japan und nur hinter der Schweiz.

Im Gegensatz zu den zwei vorigen Länder auf dieser Liste profitiert Singapur jedoch nicht von natürlichen Ressourcen. Der Stadtstaat hat sich zu einem globalen Drehkreuz für Finanzen entwickelt und ist hervorragend aufgestellt, um in den kommenden Jahren weiter vom wachsenden chinesischen und südostasiatischen Reichtum zu profitieren. Singapur hat sich auch in die Elektronik- und Technologiebranche vorgedrängt, und selbst mit voraussichtlich 2014 fallenden Exportzahlen taumelt Singapur noch in ausländischen Investitionen. Sogar mit Schwächen im Hinblick auf die Binnen- sowie die Außenwirtschaft ist ein Wachsen der Wirtschaft des Landes um 3,3% in diesem Jahr prognostiziert.

Wenn der IWF ein Indikator ist, wird dieser Aufschwung in nächster Zeit auch nicht enden. Die Organisation erwartet, dass das Pro-Kopf-BIP des Landes zwischen 2014 und 2019 um weitere 25% erstarken wird, und wenn das Land es schafft, sich in den kommenden Jahren in solchen Bereichen wie Biotechnologie und Datencenter zu etablieren, können Sie damit rechnen, dass die Bürger Singapurs in Zukunft noch eine ganze Weile an ihrem Wohlstand festhalten werden.

2: Luxemburg, 79.976 US-Dollar BIP pro Kopf
Das kleine Luxemburg, das zwischen Frankreich und Deutschland gequetscht ist, hatte trotz seiner Spitzenposition unter den reichsten Nationen der Welt einen harten Weg durch die Rezession. IWF-Daten zeigen, dass das Pro-Kopf-BIP dieses Landes mit gerade mal über 540.000 Einwohnern seit 2008 um mehr als 2% geschrumpft ist — aber bessere Tage warten trotz Europas anhaltender Krise wohlmöglich gleich hinter dem Horizont. Das luxemburgische Statistikamt prognostiziert für dieses Jahr ein BIP-Wachstum von 3% und sogar noch größere Gewinne in den kommenden Jahren.

Eines der größten Geheimnisse Luxemburgs zur Vermeidung der europäischen Malaise sind seine niedrigen Steuern — und sein Status als Steuerparadies. Das Land verfügt der Financial Times zufolge über den zweitniedrigsten Gesamtkörperschaftssteuersatz unter den EU-Mitgliedsstaaten und den Ländern der Europäischen Freihandelszone, und sahnt über 10% der globalen Direktinvestitionen im Ausland ab. Das hat Banken in der ganzen Welt dazu veranlasst, sich in einem der schmalsten Länder Europas anzusiedeln, und die Bürger Luxemburgs haben davon in großem Maße profitiert. Führende Unternehmen haben Tochtergesellschaften in Luxemburg gegründet und einige Gesellschaften wie der Stahlriese wie der Stahlriese ArcelorMittal (NYSE: MT) (ETR: ARRB) haben ihren Hauptsitz in Luxemburg eingerichtet.

In einigen Fällen haben die günstigen steuerrechtlichen Regelungen Luxemburgs jedoch den Zorn der Aufsichtsbehörden auf sich gezogen. Die Europäische Kommission hat diesen Monat die Einleitung einer Untersuchung zu Gerüchten angeregt, nach denen Amazon von Luxemburg steuerlich begünstigt worden sei, ein Vorfall, der fast ein Jahrzehnt zurückliegt.

Der jüngste Schritt der Europäischen Regulierungsbehörden ist die Durchsetzung von Wettbewerbs- und Steuerstandards. Umfassendere Regelungen könnten für Luxemburgs unternehmensfreundliche Steuergesetze zum Problem werden. Dennoch ist die luxemburgische Wirtschaft derzeit auf dem richtigen Weg, die europäische Malaise hinter sich zu lassen, wie das vom IWF vorhergesagte BIP-Wachstum von mehr als 10% zwischen 2014 und 2019 zeigt.

1: Katar, 96.992 US-Dollar BIP pro Kopf
Das reichste Land der Welt ist nicht einfach nur reich: Es ist im Begriff seinen Vorsprung vor dem Zweitplatzierten in nächster Zeit noch auszuweiten.

Katar

Doha, Hauptstadt von Katar. Quelle: Francisco Anzola via Wikimedia Commons.

Katar, Heimat von 1,8 Millionen Menschen, ist das wohlhabendste Land im Nahen Osten und die in der Region führende Nation in Bezug auf menschliche Entwicklung. Obwohl Katar in vielerlei Hinsicht das Flaggschiff der Nation ist — es ist wohlhabend und international wiedererkennbar, und es ist Gastgeber der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 — hat die Wirtschaft des Landes für ihren Aufstieg an die Spitze trotzdem auf Energie gesetzt. Der U.S. Energy Information Administration zufolge hat Katars Erdgas- und Erdölindustrie im Jahr 2012 über die Hälfte des BIP des Landes ausgemacht und allein in jenem Jahr hat die Nation 55 Milliarden US-Dollar aus Netto-Ölexporten eingestrichen. Das Land ist der weltweit führende Flüssiggasexporteur und es verfügt über 25 Milliarden Barrel nachgewiesener Erdölreserven.

Es ist nicht zu erwarten, dass die Energieexporte des Landes in nächster Zeit zurückgehen werden. Katar hat in seinen Bemühungen, die langfristige Energieerzeugung zu entwickeln, die neue Projektentwicklung in seinem rentablen Nord-Gasfeld aufgeschoben, und setzt die Exploration von Erdgas sowie Erdöl fort. Das Land hat mit seinem Angebot, weiterhin Energie zu exportieren, auch führende internationale Energiekonzerne umworben, wie etwa Vereinbarungen wie der Deal zwischen dem staatseigenen Qatar Petroleum International mit Exxon Mobil (NYSE: XOM) (FRA: XONA) über den Bau einer 10 Milliarden US-Dollar teuren LNG-Exportanlage in Texas letztes Jahr zeigten.

Katar hat inzwischen daran gearbeitet, seinen Wachstumsmotor vielseitiger zu machen. Das Land hat Arbeiter aus dem Ausland geholt, um seinen noch in den Kinderschuhen steckenden Bausektor zu stärken, da die Grundstückspreise in Höhe schießen, und auch die mit dem Finanz- und Tourismussektor verbundenen Geschäfte sind gewachsen. Es ist ein Segen für die Einwohner Katars. Der IWF prognostiziert, dass das Pro-Kopf- BIP des Landes zwischen 2014 und 2019 um mehr als 22 % steigt, womit es bis zum Ende des Jahrzehnts 118.000 US-Dollar in den Schatten stellt. Selbst wenn Katars Energiegeschäfte etwas zurückgehen, macht das Land heute alles richtig, um auch künftig zu florieren.

Wird die Weltwirtschaft den Wiederaufschwung weiter vorantreiben?
Haben Sie die Vereinigten Staaten auf dieser Liste vermisst? Die USA haben auf Rang sieben (wenn Gebiete wie Hong Kong einbezogen werden) einen oberen Platz auf der Liste des IWF mit einem für 2014 erwarteten, kaufkraftbereinigten Pro-Kopf-BIP von fast 55.000 US-Dollar nur knapp verpasst. Aber die Erholung der Wirtschaft ist noch nicht beendet und es schweben weiterhin Risiken über weiten Teilen der Weltwirtschaft — sogar für die reichsten Nationen. Der IWF warnte diesen Monat, dass das Wirtschaftswachstum kleiner ausfallen könnte als erwartet, da die Erholung des US-Markts deutlich schwankt, Europa damit kämpft Rückgang abzuwenden und Japan mit seiner lähmenden Staatsverschuldung zu tun hat. Wenn es eine Sache gibt, die die reichsten Länder der Welt nicht vergessen sollten, ist das die Tatsache, dass sich die Weltwirtschaft sehr schnell verändern kann.

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Dieser Artikel wurde von Dan Carroll auf Englisch verfasst und wurde am 11.10.2014 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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