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Der Druck der Anteilseigner lässt Coca-Cola brodeln

Foto: The Motley Fool

Die Aktieninvestoren lassen ihrer Unzufriedenheit über die Entlohnung der Manager in den Unternehmen, in die sie investiert haben, immer häufiger freien Lauf. Und es wird auch langsam Zeit! In den USA verdienen die Manager der börsennotierten Unternehmen teilweise das 350-fache des Durchschnittsgehalts eines Arbeiters. Schamlose Gehälter sind im Top-Management nicht die Ausnahme sondern die Regel, und die Korrelation des Managergehalts mit der Qualität der Manager oder dem Erfolg des Unternehmens sind in vielen Fällen nicht nachzuweisen.

Zugegeben ist es noch immer selten, dass die Aktionäre auf Hauptversammlungen die Gehälter begrenzen, doch in einigen Fällen sind der Ärger der Aktienbesitzer und der daraus resultierende Druck so hoch, dass es zu dieser Art von Antwort kommt. Im Jahr 2014 haben wir einige dieser Vorfälle gesehen.

Coca-Cola (NYSE: KO) setzte kürzlich ein Beispiel. Das Unternehmen hat angekündigt, seinen umstrittenen Kompensationsplan für das Management zu überholen. Eine Nachricht, die dadurch gewürzt wird, dass mit ihr ein bekannter Name verbunden ist: der Name des Aktionärs Warren Buffett.

An einer neuen Formel für Coca-Cola schrauben

Die meisten Investoren hängen an den Lippen von Warren Buffett und jeder Nachricht, die seine Investmentfirma Berkshire Hathaway (NYSE: BRK-B)(ETR:BRH) über das Geschäft und Investitionen veröffentlicht. Neben all seinen Tipps und Hinweisen darüber, wie man ein richtig guter Investor wird, veröffentlich Buffett häufig auch kritische Kommentare über den Zustand und die Probleme der US-Amerikanischen Wirtschaft, auch bezüglich der schamlosen Gehälter der Vorstandsvorsitzenden.

Buffetts Vorstellungen und seine Bedeutung als Anteilseigner sorgten auf der letzten Jahreshauptversammlung für einen großen Knall bei Coca-Cola. Buffett hält 9% der Aktien an dem Unternehmen, das einen Kompensationsplan hatte, der sich als Problem erwies. Buffett erklärte öffentlich, dass er den Kompensationsplan für „exzessiv“ hielte, votierte jedoch nicht gegen den Plan, sondern enthielt sich letztendlich seiner Stimme.

Das mag zuerst so ausgesehen haben, als würde er in letzter Sekunde einen Rückzieher machen, doch seine Worte und die Kritik anderer Aktionäre scheinen am Ende einen Eindruck hinterlassen zu haben.

Wintergreen Advisors, die 1% der Aktienanteile von Coca-Cola halten, waren besonders laute Kritiker bezüglich der Bonus- und Gehaltspolitik bei Coca-Cola. Zwei der größten fünf Anteilseigner des Unternehmens, State Street Capital Advisors und Capital Group, lehnten den vorgeschlagenen Plan ab. Nachdem Enthaltungen und Nicht-Abstimmungen vom finalen Ergebnis herausgerechnet worden waren, hatte weniger als die Hälfte der Aktionäre für den Plan gestimmt.

Das geballte Missfallen der Investoren muss am Ende ein wenig zu groß gewesen sein, denn vor Kurzem kündigte Coca-Cola an, den Kompensations-Plan zu ändern, der bisher vorgesehen hatte, Aktien im Wert von 13 Milliarden US-Dollar für die langfristige Vergütung des Vorstandes zurückzulegen. Coca-Cola wird nun die Anzahl der Aktienoptionen reduzieren, wodurch sich der Fokus von Optionen zu Bargeld-basierter Kompensation der Manager verschieben wird, was auch für Coca-Colas CEO Muhtar Kent gilt.

All dies passiert vor dem Hintergrund, dass es generelle Befürchtungen bezüglich der Zukunft von Coca-Cola gibt, da die Konsumenten immer weniger zuckerhaltige Softdrinks trinken.

Weniger Optionen bei Oracle

Coca-Cola ist nicht das einzige Unternehmen, das kürzlich einen Blick darauf geworfen hat, wie sein Management entlohnt wird, nachdem Aktionäre ihr Missfallen deutlich gemacht hatten

Diesen Sommer hat das Kompensations-Komitee von Oracle (NYSE: ORCL)(FRA: ORC) die Anzahl der Aktienoptionen, die der CEO und Gründer Larry Ellison jährlich erhielt, von 7 Millionen auf 3 Millionen gekürzt. Und auch die Optionen, die an die anderen Top-Manager wie Mark Hurd oder Safra Catz gehen, wurden halbiert.

Zweimal haben Anleger auf Jahreshauptversammlungen das Gehaltspaket von Ellison abgelehnt; nicht nur weil die Entwicklung der Firma und die Leistung des Managements Fragen aufwerfen, sondern auch, weil Ellison einer der reichsten Männer der Welt ist und regelmäßig in der Spitze der bestbezahlten Manager zu finden war. Vor dem Hintergrund seines Reichtums war die Veränderung für Ellison soundso nur so etwas wir ein Klaps aufs Handgelenk.

Da Ellison nun jedoch seinen Posten als CEO aufgegeben hat, werden die Aktionäre überlegen müssen, wie die neu-installierten Co-Vorsitzenden Hurd und Catz bezahlt werden sollen. Beide wurden bereits sehr gut bezahlt, bevor sie befördert wurden, um Ellison zu ersetzen. Im letzten Jahr haben sowohl Hurd als auch Catz jeweils 38 Millionen US-Dollar verdient, wenn man alle Kompensationen zusammenrechnet.

Hurd ist kein Fremder in der Welt hochbezahlter Top-Manager. Nachdem er bei Hewlett-Packard (NYSE: HPQ)(FRA: HWP) gefeuert worden war machte er sich davon wie ein Bandit und nahm den goldenen Fallschirm in Form von 35 Millionen US-Dollar als Abfindung mit.

Die Aktionäre von Oracle haben jeden Grund rigoros zu sein, insbesondere vor dem Hintergrund der Kultur übermäßiger Bezahlung von Managern in dem Unternehmen.

Vernunft ist die Ausnahme
Beide Fälle hinterlassen das Gefühl, dass hier der Vorstand vor den Aktionären kapituliert hat, zumindest ein wenig. Über mehrere Jahrzehnte schien es, als würden sich die Vorstände und ihre Vorsitzenden nicht besonders dafür interessieren, was ihre Aktionäre von den Kompensationsplänen hielten, nach denen sie bezahlt wurden. Was natürlich eine Schande ist, denn der Vorstand eines Aktienunternehmens hat die explizite Aufgabe, die Interessen der Aktionäre zu wahren.

Doch auch die Aktionäre trifft natürlich ein Teil der Schuld. Mehrere Jahrzehnte lang waren die Aktionäre apathisch und distanziert, wenn es um die das Verhältnis von der Qualität des Managements und der Zukunft des Unternehmens zu den Vorstandsgehältern ging. In so vielen Fällen war die Gegenleistung für die exorbitante Bezahlung nicht die bestmögliche Entwicklung des Unternehmens, lediglich die bestmögliche Entwicklung der Gehälter im Management war in vielen Unternehmen der Normalfall.

Coca-Cola und Oracle machen Schritte in die richtige Richtung, doch es ist ein weiter Weg, bis die Vernunft wieder in die Entscheidungen über die Bezahlung der Manager der großen Aktienunternehmen in den USA einzieht.

Die Aktionäre sind immer häufiger am Ball, aber wie wäre es, wenn die Aufsichtsräte und das Management selbst beginnen würden, dieses Thema zu behandeln, bevor die Aktionäre anfingen Druck aufzubauen und am Ende Forderungen zu stellen? Vor dem Hintergrund der Erschütterungen in Unternehmen wie Oracle und Coca-Cola, sollte das Management das Thema auf seiner Prioritätenliste haben, bevor das Säbelrasseln der Aktionäre beginnt.

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The Motley Fool besitzt Aktien von Berkshire Hathaway und Oracle und besitzt die folgende Optionsschiene: Long January 2016 $37 Calls auf Coca-Cola und Short January 2016 $37 Puts auf Coca-Cola.

Dieser Artikel wurde von Alyce Lomax auf Englisch verfasst und wurde am 3.10.2014 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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