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BP und Royal Dutch Shell: Chance oder Risiko?

Foto: Wikimedia Commons.

Für viele sind, BP (LSE: BP)(ETR: BSU) und Royal Dutch Shell (LSE: RDSA)(ETR: R6C) zwei Investitionen, die derzeit aufgrund politischer Risiken zu gefährlich aussehen, um über einen Einstieg nachzudenken.

Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko aus dem Jahr 2010 hängt noch immer wie eine große dunkle Wolke über der Bilanz von BP – das Desaster könnte das Unternehmen $42 Milliarden kosten. Und Shell’s Vorstandsetage fällt vor allem dadurch auf, dass sie immer wieder Regierungsvertreter anpöbelt. Jeder Investor, der nicht verrückt ist, sollte also seinen Finger von den beiden toxischen Zwillingen lassen, oder?

Nur aus den oben angeführten Gründen, und obwohl die Unternehmen nicht nur kürzlich besser als erwartete Umsätze erzielt haben, sondern auch ein entschlossenes Management haben, dass in den letzten Monaten Führungsstärke bewiesen hat, hängen die Unternehmen an der Börse hinterher, wo sie KGV-Werte um die 12 haben, während andere Unternehmen bereits bei KGV-Werten über 20, oder noch höher liegen.

Eine besondere Situation

Das ist eine Schande, und nicht nur weil Shells Gewinn im letzten Jahr um 45% auf 6,1 Milliarden US-Dollar gestiegen ist, oder weil das Unternehmen einen ähnlichen Gewinnsprung für das Ende dieses Jahres erwartet – BP selbst spricht von einem erwarteten Netto-Cash Flow von 30 Milliarden US-Dollar. Es ist deshalb eine Schande, weil gerade in diesem Augenblick, in dem Russland ein besonders heißes Eisen ist, die Investitionen der beiden britischen Ölgiganten in Russland spannender sind als jemals zuvor.

Für Investoren ist das die Chance ungefährdet eine Strategie zu verfolgen, die Vermögens-Managern jedes Jahr Millionen beschert: Spezielle Situationen zu erkennen und auszunutzen, ein kompliziertes Umfeld mit allen Zutaten die notwendig sind, um einen seltenen Profit mit einmaligen Gewinnen zu machen. Es ist auch das vielleicht einzige Mal, dass Anleger von einem Deal profitieren könnten, bei dem Vladimir Putin nicht die Oberhand hat.

Flüssiges Gas aus Russland

Im Augenblick scheinen Politiker in London und Washington über Parteiengrenzen hinweg vereint zu sein in ihrer Meinung über Wladimir Putin. Doch während einige Investoren ähnlich angewidert sind von den aktuellen Vorgängen in der Ukraine, haben die beiden CEOs von Shell und BP, Ben van Beurden und Bob Dudley, nicht gerade damit hervorgetan, sich von Russland zu distanzieren, sondern schauen mehr auf das Geld ihrer Anteilseigner, dass sie anlegen wollen.

Deshalb haben die beiden Vorstandsvorsitzenden auch die westlichen Regierungen jedes Mal, wenn diese laut über Sanktionen und Embargos nachdachten, mit einem Sperrfeuer aus Kritik belegt. Das hat ihnen zu Hause durchaus Ärger bereitet, insbesondere ist die Wahrnehmung entstanden, dass die beiden Manager sehr weit gehen würden, um die Profite ihrer Firmen zu vergrößern.

Doch wenn man darüber nachdenkt, dass Dein hart verdientes Geld im großen Stil nun in einer Art geopolitischer Wette investiert wird, deren Ausgang von dem Machtanspruch und der Politik von jemand anderem abhängt, ist es sicherlich gut zu wissen, dass die Herren denken, dass es Dein Geld ist mit dem sie spekulieren!

Ein Raketenstart für Unternehmen

Das Prachtstück an dieser Strategie ist, dass beide Firmen Putin dabei helfen, seine Ambitionen durchzusetzen, Russlands Macht zu vergrößern, indem sie dabei helfen, Gas und Erdöl-Netzwerke überall in Zentralasien zu bauen. Außerdem haben BP und Shell bereits Investitionen in die Öl- und Gasindustrie in Russland getätigt, die nun einen schnellen Wertzuwachs erleben werden. Tatsächlich sieh es so aus, als ob dieser Vorgang bereits begonnen hat.

Die Investitionen von BP in Russland sind die größten in einem einzelnen Staat unter allen Ölkonzernen weltweit. Nachdem BP Investitionen in Höhe von 7,67 Milliarden britischen Pfund in ein Joint-Venture mit dem Staatskonzern Rosneft getätigt hat, gab es nun Gerüchte, dass die Pläne, Schiefergas in der Wolga-Ural-Region zu fördern, durch die derzeitige Situation in der Ukraine vereitelt werden. BP jedoch wischte alle Einwände diesen Sommer vom Tisch, und behauptete, dass „die Lösung der Situation weder Sache von BP ist, noch […] Rosneft eine Konfliktpartei [sei]“. Die Bohrkonzessionen scheinen im Augenblick auf dem einem guten Weg durch die russischen Behörden zu sein.

Shell, das bereits ein Anrecht von 10 Millionen (metrischen) Tonnen flüssigem Gas in Russland besitzt, scheint sich währenddessen durch CEO van Beurden weitere Vorkommen mit einem Volumen von zusätzlichen 5 Millionen Tonnen gesichert zu haben. Das könnten die ersten von vielen positiven Entwicklungen sein, die Aktionäre von Shell und BP in den nächsten Jahren in Russland erwarten.

Die Oberhand Putin gegenüber

Sowohl van Beurden als auch Bob Dudley, der Vorstandsvorsitzende von BP, wissen genau, was sie hier tun: Sie ergreifen die Chance ihres Lebens.

Die Chance? Die Möglichkeit, die Oberhand gegenüber jemandem zu haben, der normalerweise jede Verhandlung gewinnt. Dadurch, dass diese beiden Unternehmen Vladimir Putin in einer politisch so komplizierten Zeit unterstützen, werden sie auf jeden Fall weitere beschleunigte Projekte erhalten und mehr lukrative Gewinnquellen erschließen können, als sie sich je erträumt hätten. Und das sind natürlich wundervolle Nachrichten für alle, die davon profitieren.

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The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Dieser Artikel wurde von Daniel Mark Harrison auf Englisch verfasst und wurde am 29.9.2014 auf Fool.co.uk veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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