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Können die Aktien von Amazon.com ihren 20% Verlust 2015 wieder wettmachen?

Foto: The Motley Fool

Amazon.com (NASDAQ: AMZN)(FRA: AMZ) ist bisher im Jahr 2014 um ungefähr 20% gefallen, nachdem die Wall Street die Aktien aufgrund der steigenden Kosten nun etwas kritischer betrachtet. Gleichzeitig jedoch macht Amazon wichtige Fortschritte im Online-Zahlungssystemgeschäft und der Möglichkeit, Anzeigen auf seiner Webseite zu schalten. Das Geschäft und die Aktien von Amazon könnten nächstes Jahr ein großes Comeback hinlegen.

Warum ein Turnaround möglich ist

Das Umsatzwachstum von Amazon wird für das Jahr 2014 auf 22% geschätzt und ein wenig niedriger auf 20% für das Jahr 2015. Das ist also nicht das Problem für das Unternehmen. Es sind die fehlenden Profite, die dem Unternehmen zu schaffen machen. Und das ist auch der Grund, warum Amazon stärker auf neue Dienste setzt, die darauf zielen, den Profit und letztlich den Aktienkurs zu erhöhen.

Trotz eines Umsatzes von beinahe 82 Milliarden US-Dollar in den letzten 12 Monaten, hat Amazon einen Gewinn von lediglich 181 Millionen US-Dollar eingefahren. Das entspricht einer Gewinnmarge von 0,22% und ist natürlich ein sehr schwaches Ergebnis. Die 1 Milliarde US-Dollar in freiem Cash-Flow, die Amazon dabei generiert hat, zeigt jedoch, dass das Unternehmen im Stande ist, mit seinem Modell Geld zu verdienen.

Der Grund für den großen Unterschied zwischen dem großzügigen Cashflow und dem mageren Gewinn liegt darin, dass Amazon bereit ist, große Investitionen zu tätigen und massives Umsatzwachstum dem schnellen Gewinn vorzuziehen. Während des zweiten Quartals erhöhten sich die Logistik-Kosten um 15%, während Marketing und Technologie um jeweils 40% teurer wurden.

Das Zweischneidige an der Sache ist, dass Amazon seine Investitionen hochhalten muss, um die Kundenzufriedenheit zu erhöhen und das Wachstum beizubehalten. Doch glücklicher Weise hat Amazon eine Antwort auf die Bedenken der Wall Street; wenn man genau hinschaut, vielleicht sogar zwei.

Die erste Lösung: Aufgepasst, Google!

Amazons Kerngeschäft im Onlinehandel ist gewaltig, aber der Onlineanbieter verkauft zu niedrigen Preisen, verschickt die Ware umsonst und muss riesige Logistikzentren betreiben. Während der Service für die Kunden großartig ist, sind diese Kosten der Hauptgrund für die fehlenden Gewinne.

Deshalb sieht es so aus, als würde Amazon mit 250 Millionen aktiven Nutzern und einer ziemlich guten Idee, was diese Konsumenten tatsächlich kaufen, nun beginnen, Googles (NASDAQ: GOOGL)(ETR: GGQ7) Anzeigengeschäft aufs Korn zu nehmen — das 50 Milliarden US-Dollar pro Jahr schwer ist. Amazon schaltet bereits Anzeigen auf seiner Seite, aber diese Anzeigen werden bisher von Google gestellt. Doch im August berichtete das The Wall Street Journal, dass Amazon begonnen habe, seine eigene Anzeigen-Plattform aufzubauen, sowohl für die eigene Website als auch für die Seiten Dritter, was Googles AdWords Programm sehr nahe kommt.

Es ist unwahrscheinlich, dass Amazon bereits zu Beginn Googles Preissetzungsmacht besitzen wird, doch Werbung an sich ist noch immer ein hochprofitables Geschäft. Innerhalb der letzten Jahre hat Google mehr als 20 Milliarden US-Dollar an operativem Cashflow mit einem Umsatz von 65 Milliarden US-Dollar generiert. Google’s Netto-Umsatzrendite lag während dieser Periode bei 23,4%.

Um das einmal ins Verhältnis zu setzen: Der Wert von Anzeigen auf Amazon.com wird auf eine Milliarde US-Dollar pro Jahr geschätzt. Sollte Amazon.com in der Lage sein, dieses Kapital abzuschöpfen und dabei eine Marge nahe jener von der von Google gesetzten Marke von 23,4% zu erzielen, dann könnte Amazon theoretisch sein Netto-Jahreseinkommen mit diesem relativ kleinen Geschäft mit Online-Werbung um 50% erhöhen. Und wenn es Amazon zusätzlich gelingen sollte, seine Plattform auf Seiten dritter Anbieter ausweiten zu können und höheren Umsatz mit Anzeigen auf der eigenen Seite zu erzielen, dann könnte das Unternehmen sehr schnell zusehen, wie seine Gewinne abheben.

The Wall Street Journal, das im August diesen Jahres zuerst berichtet hatte, dass Amazon eine Plattform für Onlinewerbung aufbauen würde, schrieb damals: “Amazon hat potentiellen Werbe- Partnern mitgeteilt, dass das Unternehmen später in diesem Jahr damit beginnen will, eine neue Placement-Plattform zu testen, die Amazon Sponsored Links heißen wird.“ Wenn das stimmt, dann scheint Amazon den Service schnell voranbringen zu wollen und es wäre möglich, dass der neue Service bereits nächstes Jahr online sein wird.

Die zweite Lösung: eBay folgen

Innerhalb der letzten Jahre hat Amazon mehrere Services mit der offensichtlichen Absicht gestartet, sich ein Stück vom Kuchen der stetig wachsenden Online-Zahlungsindustrie abzuschneiden. Amazon Payments wurde bereits im Jahr 2007 eingeführt, aber im Gegensatz zu eBays (NASDAQ: EBAY)(ETR: EBA) PayPal, war der Gewinn aus diesem Service bisher zweitrangig für Amazon, da man vor allem den eigenen Kunden eine verlässliche Plattform zum Bezahlen ihrer Einkäufe bieten wollte.

Doch die neuen Features von Amazon Pay, die innerhalb der letzten Monate eingeführt wurden, weisen daraufhin, dass Amazon es tatsächlich auf PayPal abgesehen hat. Diese enthalten zum Beispiel die Möglichkeit, Telefonrechnungen und andere monatliche Zahlungen, die außerhalb Amazon anfallen, mit Amazon Pay zu bezahlen. Außerdem gibt es mobile Bezahlungsmöglichkeiten, einen Kreditkartenleser und eine Mobiltelefon-App namens Local Register, die als Bezahlungsdienstleister für Ladengeschäfte dienen soll. Und weil Amazon nun einmal Amazon ist, unterschreitet Local Register sogar jene 2,7% Gebühren, die PayPal erhebt, und soll zum Beginn nur 1,75% Gebühren kosten.

Wenn es Amazon möglich ist, Umsatz mit Daueraufträgen oder einzelnen Online-Transaktionen zu verdienen, dann sollte es theoretisch auch Profit machen können. Durch einen aggressiven Einstieg in das Zahlungs-Abwicklungs-Geschäft, könnte Amazon langfristig noch ganz andere Türen zu weiteren profitablen Geschäften öffnen.

Foolische Gedanken

Nach dem Desaster im zweiten Quartal, das die Hälfte der Verluste des Aktienpreises im Jahr 2014 generiert hat, haben sowohl Cohen als auch die Bank of America ihre Kursziele für die Aktie gesenkt und dabei die mangelnde Profitabilität als Hauptgrund angeführt. Das weist darauf hin, dass höhere Gewinne die Meinung der Anleger wieder ändern und den Fokus wieder auf Amazons enormes Wachstum lenken könnten.

Amazons Wettbewerber Alibaba und eBay haben Netto-Umsatzrenditen von 48% bzw. 20,5%. Auch deshalb scheinen Gewinne im E-Commerce ohne weiteres erreichbar zu sein. Amazon hat das Netzwerk und die Technologie, dieses Ziel mit neuen Produkten und neuen Services zu erreichen. Online-Werbung und Online-Zahlungssysteme sind zwei Industrien, in denen Amazon einen breiten Zuspruch hat und so sollte das Unternehmen in der Lage sein, jene Profite zu generieren, die die Wallstreet zufrieden stellen werden, um anschließend den Aktienkurs in neue Höhen zu treiben.

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The Motley Fool empfiehlt Amazon.com, Bank of America, eBay, Google (A Aktien) und Google (C Aktien). The Motley Fool besitzt Aktien von Amazon.com, Bank of America, eBay, Google (A Aktien) und Google (C Aktien).

Dieser Artikel wurde von Brian Nichols auf Englisch verfasst und wurde am 3.10.2014 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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