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6 Dinge, die Anleger über die SAP SE wissen müssen

Foto: Wikimedia, MichaelBr90.

Bevor du in eine Aktie investierst, ist es wichtig, dass du die Firma, die hinter die Aktie steht, verstehst. Ein Eckpfeiler des Foolishen Investierens ist daran zu erinnern, dass Aktien nicht nur ein Stück Papier sind — sie sind Besitzanteile an lebenden, atmenden Unternehmen.

Wenn Software-Gigant SAP (ETR:SAP) auf deiner Watchlist ist, denke ich, dass die unten stehenden sechs Punkte, wichtig zu berücksichtigen sind, bevor du den Sprung machst zu investieren.

1. Historie

Die 5 ehemaligen Mitarbeiter von IBM: Claus Wellenreuther, Hans-Werner Hector, Klaus Tschira, Dietmar Hopp und Hasso Plattner gründeten 1972 die Firma 1972 unter dem Namen „Systemanalyse und Programmentwicklung“ (SAP) in Weinheim.

Der große Unterschied zu den damals gängigen Anwendungen zur Lohnabrechnung und Buchhaltung war, dass die Gründer auf eine Eingabe über Tastatur und Bildschirm setzten, im Gegensatz zu der üblichen Verwendung von Lochkarten. Die Folge war ein guter Start für SAP und das Unternehmen ist im Laufe der Zeit nur stärker und stabiler geworden.

Wie stark? Bedenke folgendes: Seit der Gründung im Jahr 1972, war 2008 das erste Jahr in dem die SAP Mitarbeiter entlassen musste. Das ist sehr beachtlich, wenn man bedenkt wie viele Arbeitsnehmer ihren Job verloren, als die Dotcom Blase platzte. Das zeugt von einer gewissen Robustheit, die ich in meinen Investitionen gerne sehe.

2. Die Gründer

Im Gegensatz zu den anderen beiden Mitgründern, die ihre Anteile beim Börsengang weitestgehend abgaben, halten Hasso Plattner, Klaus Tschira und Dietmar Hopp weiterhin 23% der Firmenanteile. Das hat sie zu den reichsten Deutschen gemacht und hat geholfen, eine feindliche Übernahme von SAP zu verhindern.

Dietmar Hopp und Hasso Plattner stellen ihr Vermögen dem guten Zweck zur Verfügung, sowie zur Unterstützung junger Unternehmen und zur Förderung des Sports. Damit zeigen die Gründer der SAP ihre ethische Seite, so wie sie in ihrem Unternehmen sehr vorbildlich agieren. Hasso Plattner ist der erste Deutsche, der Mitglied im internationalen Club der Superspender „The Giving Pledge“ ist. Dem Club, der durch Warren Buffett und Bill Gates im Juni 2010 gegründet wurde.

Für einige Anleger mag dies nicht wichtig für den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens scheinen. Ich glaube jedoch, dass die starke wertorientierte Kultur, die die Gründer geschaffen haben, ein wesentlicher Grund für den langfristigen Erfolg von SAP ist.

3. Konkurrenten und Produkte

Der größte Konkurrent von SAP auf dem Markt für Enterprise-Resource-Planning (ERP) Software ist die Oracle Corporation (FRA:ORC). Das Hauptgeschäft von Oracle mit ERP wird von seinem Partnerunternehmen Accenture Plc (FRA:CSA) aus Großbritannien übernommen. Der Marktanteil von SAP lag 2013 bei circa 24%, Oracles bei 12%. Das bedeutet, dass prozentual gesehen weltweit jede vierte ERP Software von SAP geliefert wird. Das ist ein wahnsinnig hoher Marktanteil, in einem so weit gefächerten Markt.

Allerdings ist SAP, wie übrigens auch Oracle, auch in anderen Marktsegmenten aktiv, darunter Datenbanken, Hardware und Business Anwendungen. Das breite Produktsortiment und die große Anzahl von Bestandskunden bieten Cross-Selling-Chancen — was einfacher ist, als den Bedarf von neuen, potenziellen Kunden kennenzulernen.

Ich erwarte, dass die Konkurrenz zwischen den Top-Playern in der Branche weiterhin intensiv sein wird. Allerdings glaube ich auch, dass SAP ist gut positioniert ist, um einer dieser Top-Spieler zu bleiben.

4. Umsatz und Gewinn

SAP Umsatz und Ergebnis

Quelle: de.Wikipedia.org

Was ich euch mit den Grafiken mitteilen möchte, ist einfach: Jahr für Jahr lizensiert die SAP stets mehr Software und verkauft mehr Produkte – und ist damit sehr profitabel gewesen. Und nicht nur profitabel, sondern profitabel mit Margen in zweistelligen Bereich.

Um noch konkreter zu sein, In den letzten 10 Jahren schaffte es die SAP den Umsatz durchschnittlich um 10%, das Konzernergebnis sogar um 14,8% pro Jahr zu steigern. In den letzten fünf Jahren erwirtschaftete die SAP eine EBIT-Marge von durchschnittlich 24,9%.

Margen wie diese deuten an, dass die SAP eine sehr starke Pricing-Power hat. Und genau das wünsche ich mir von einem guten Investment.

5. Umsatzverteilung nach Segmenten

Entgegen der weit verbreiteten Meinung verdient die SAP den größten Teil seiner Umsätze mit Support Services, das heißt mit der Implementierung und der Wartung der Software. Im Geschäftsbericht 2013 weist die SAP in diesem Bereich einen Anteil am Umsatz von 52% aus.

Softwareunternehmen wie die SAP haben grundsätzlich relativ hohe Entwicklungskosten, welche sie dann allerdings über hohe Margen bei der Lizenzierung dieser Software wieder herein holen. Und wie gesagt spült der SAP nicht nur der Verkauf von Lizenzen Geld in die Kassen, sondern viel mehr noch die Implementierung und Wartung dieser.

Solange die Software von SAP in Unternehmen zum Einsatz kommt, besteht auch ein kontinuierlicher Bedarf diese zu pflegen und zu installieren. Das bedeutet wiederkehrende Umsätze für Jahre. Hinzu kommt, dass sich die SAP in den nächsten Jahren verstärkt auf Bankkunden konzentrieren möchte, die größtenteils mit einer selbstentwickelten Software arbeiten.

Zusätzlich zum klassischen Softwaregeschäft steigt die SAP auch immer mehr in den Bereich der Cloud Services ein. Mit dieser Technologie kann man abteilungsinterne SAP Software und Unternehmensdaten in der Cloud verwalten, um so effizienter zu arbeiten.

Erst kürzlich wurde bekannt, dass SAP mit Ericsson einen Cloudservice „Enterprise Mobility Management“ ins Leben gerufen hat, um über Mobilfunknetzbetreiber Firmenkunden anzusprechen. Über die Mobile Cloud können Softwarelösungen der SAP abgerufen werden.

Der Schritt in Richtung Cloud Computing macht Sinn, der Markt wächst stetig. Im Jahr 2017 will die SAP 3,5 Mrd. Euro mit dem Cloud-Geschäft erwirtschaften. Das entspräche 17% des geplanten Gesamtumsatzes von 22 Mrd. Euro. 2013 machte Cloud Computing gerade einmal 4,5% des Gesamtumsatzes von 16,9 Mrd. Euro aus. Die folgende Grafik zeigt, dass das Ziel der SAP nicht unrealistisch ist:

Cloud Computing Umsatz weltweit

Quelle: boerse.ARD.de

Das zeigt uns, dass die SAP auf jeden Fall Potenzial hat, weiter zu wachsen und somit überdurchschnittliche Renditen zu erwirtschaften.

6. Akquisitionspolitik

Lange Zeit konzentrierte sich die SAP im Gegensatz zum Konkurrenten Oracle auf das interne also organische Wachstum. Das heißt aber nicht, dass die SAP auf Akquisitionen verzichten würde. Die letzten Akquisitionen waren die in den USA ansässigen Unternehmen Concur und SeeWhy. Beide Akquisitionen waren strategischer Natur, welche zunächst keinen großen Einfluss auf den Umsatz haben werden. Die SAP versucht eher, das Geschäft weiter zu diversifizieren.

Die Concur Transaktion löste bei einigen Marktteilnehmern allerdings Stirnrunzeln aus. Ich bin ebenfalls der Meinung, dass die SAP mit über 6 Mrd. Euro – es handelte sich um die größte Übernahme in der Unternehmensgeschichte – einen viel zu hohen Preis bezahlte, für eine Firma die sich auf das Buchen und Abrechnen von Dienstreisen spezialisiert hat.

Auch wenn der Vorstandschef Bill McDermott die breite Kundenbasis in mehr als 150 Ländern lobte, 84% der Kunden kommen aus den USA. Das bedeutet, dass man vom globalen Marktpotenzial, zum Beispiel in den BRICS Staaten, nicht überdurchschnittlich profitieren kann.

Zudem schrieb das Unternehmen 2013 einen Verlust von 0,44 US-Dollar pro Aktie.

Fazit

Mit einer marktdominierenden Stellung auf dem weltweiten Markt für ERP, einer zielgerichteten Strategie die Umsätze auch langfristig zu steigern zu können und starken Ankeraktionären könnten nur wenige Dinge Steine in den Weg legen, wie zum Beispiel, die im Zuge der Umstellung auf den Cloud Markt zu teuren Akquisitionen.

Insgesamt denke ich, dass SAP ein attraktives Unternehmen für langfristige Investoren sein kann.

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Christoph Metz besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool empfiehlt Accenture. The Motley Fool besitzt Aktien von Oracle.

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