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4 Gründe, warum Fools keine Chart-Analysen benötigen

Foto: Wikimedia Commons.

Ihr sucht Aktien von guten Unternehmen, deren Kurs bald steigt? Dann vergesst Geschäftsmodelle, Gewinnentwicklung, Management-Qualität und diskontierten Cash Flow! Investieren geht viel einfacher: Ihr müsst bloß die Kursentwicklung einer Aktie genau betrachten, um zu wissen, wohin die Reise geht. Das behaupten zumindest die Anhänger der so genannten technischen Analyse. Wir Fools haben da allerdings ein paar Bedenken.

Am 01.04. um Punkt 11:13 Uhr Frankfurter Ortszeit kam es zur Katastrophe: Der Kurs der Volkskassen-Aktie durchbrach den gleitenden Drei-Tage-Durchschnitt, schubberte sich kurz am zweiten Bollinger-Band und vollendete damit eine Schulter-Kopf-Schulter Formation. Diese wurde sofort von einem veritablen Candle Stick Hammer zerbröselt, was wiederum einen Elliot Wave Tsunami auslöste, der den Kurs endgültig aus dem Trendkanal spülte. Die Folge: Volkskassen-Anteilscheine waren ein Bisschen billiger. Für Fans der technischen Analyse und ihres soeben skizzierten Vokabulars ist so was ein epochales Ereignis. Der Rest der Anlegerwelt kann es getrost ignorieren.

Worum es bei der technischen Analyse (auch: Chart-Analyse) geht? Eigentlich nur um eins: Die grafische Darstellung der zeitlichen Entwicklung von Aktienkursen – und ihre „Interpretation“. Man hofft, auf diese Weise Trends identifizieren zu können, welche die Richtung der Kursentwicklung vorgeben. Noch wichtiger: Man will vorher sagen, wann diese Trends sich umkehren. Es geht demnach um nichts anderes als „Market Timing“, also den Versuch, günstige Ein- und Ausstiegszeitpunkte zu ermitteln. Wenn ihr genauer wissen wollt, wie das funktionieren soll, findet ihr im Internet-Auftritt des Handelsblatts einen Schnellkurs.

Schade nur, dass die Chart-Analyse so gar nicht zur Anlagementalität eines Fools passt. Dafür gibt es vier gute Gründe.

1. Fools kaufen Unternehmen – Chart-Freunde kaufen Kurse
Beim Motley Foolsuchen wir nach Aktien von Unternehmen, die langfristig erfolgreich sind. Um die zu finden, untersuchen wir Geschäftmodelle, drehen die Unternehmenskennzahlen durch die Analysemangel und überlegen, ob unsere Favoriten sich gegen die Branchenkonkurrenz durchsetzen können. Außerdem sehen wir uns das Management genauer an. Und wenn wir uns für eine Aktie entschieden haben, dann kaufen wir ganz bewusst ein Stück eines Unternehmens – das wir dann viele Jahre behalten.

Für einen Chart-Liebhaber ist es vollkommen schnurz, ob er den Preis für pakistanische Kakaobutter, den DAX oder den Aktienkurs eines süddeutschen Gartenzwerg-Herstellers untersucht. Was dahinter steckt, ist Nebensache. Wenn die Kursentwicklung hübsch genug aussieht, wird gekauft.

Gerade beim letztgenannten Beispiel kann das sehr schnell in die Hose gehen: Einem Fool würde bei seiner Analyse nämlich auffallen, dass die schwäbische Konzernleitung die Bedrohung unterschätzt, die von billigen osteuropäischen Gnom-Imitaten aus Plaste ausgeht. Jeder Besucher der einschlägigen Handelsstätten kann dies bestätigen. Ich persönlich würde deshalb von Investments in Vertreter der deutschen Hartbrandwichtel-Industrie abraten.

2. Der Trend ist nicht Dein Freund …
Es mag ja noch angehen, wenn man sich interessehalber ein Bisschen durch die Trendkanäle klempnert. Sobald man jedoch versucht, aus den Kursgrafiken Kauf- und Verkaufssignale abzuleiten, kann Chartanalyse richtig teuer werden. Beispielsweise wird gerne versucht, einen so genannten Stopp-Kurs mit Hilfe von Charts festzulegen: Sobald der Aktienkurs diese magische Schwelle unterschreitet, so der vermeintlich pfiffige Plan, wird automatisch verkauft, um „Verluste zu begrenzen“ bzw. „Gewinne zu sichern“. Wohin das führt, hat Matt Koppenheffer bereits an anderer Stelle beschrieben.

Und da wir gerade beim Verkaufen sind: Auch für Fools kann es natürlich Gründe geben, sich von Investments zu trennen. Die findet ihr beispielsweise hier. Von bunten Bildchen steht da nichts.

3. Chartanalyse hat mit wissenschaftlichen Methoden nichts zu tun
Ich persönlich kaufe niemals Aktien im Zeichen des Wassermanns, wenn der Mond in Konjunktion mit Venus im zweiten Haus steht. Und erst recht lege ich mir keine Papiere ins Depot, weil ein Parkett-Astrologe von Trendbrüchen, Elliot-Wellen und Bollinger-Bändern schwadroniert. Manchmal ist das aber richtig komisch – zum Beispiel wenn deutsche und englische Wörter zu Fachchinesisch verwurstet werden. Ich denke da zum Beispiel an „Doppel-Bottom-Formation“.

Tatsächlich haben Chart-Techniker mehr mit Astrologen gemeinsam, als ihnen lieb ist. Letztere garnieren ihre Prognosen gern mit scheinbar komplizierten Fachbegriffen, die von kleinen und größeren Inkonsistenzen ihrer Prognosemodelle ablenken. Auch Erstere bedienen sich eines pseudowissenschaftlich aufgeblähten Vokabulars und ebensolcher Methoden.

Denn bereits die Grundannahme der Chart-Analyse ist nicht stichhaltig. Sie lautet: Sämtliche entscheidungsrelevanten Informationen über Vergangenheit und Zukunft sind bereits im Kursverlauf enthalten und ermöglichen deshalb Prognosen voraussichtlicher Kursentwicklungen. Man könnte jetzt seitenlang dagegen argumentieren, aber ich will mich auf einen kleinen Aspekt beschränken, der bisher nur selten beleuchtet wurde: Die Kurse, die wir heutzutage vom Frankfurter Parkett, von XETRA und den Regionalbörsen bekommen, spiegeln einen Großteil des Handelsgeschehens (und damit auch den „Informationsmarkt“) nicht mehr wider.

Nur etwas mehr als ein Drittel des Handels mit deutschen Aktien fand im Jahr 2013 noch an regulierten Börsen statt. Der Rest lief über sogenannte Dark Pools und andere Handelsplätze. Vor allem Orders mit richtig hohem Volumen tauchen an der Börse gar nicht mehr auf und haben deshalb keinen Einfluss auf die amtlichen Kurse. Irgendwie will das gar nicht zum Axiom der technischen Analyse passen.

4. Noch schlechter als die Argumente sind die Ausreden von Chart-Gurus
„Das macht nichts“, säuseln Vertreter der Chartanalysten-Zunft gern, wenn man ihre Methode kritisiert. Schließlich sei die Masche trotzdem erfolgreich, weil so viele an sie glauben und sich entsprechend verhalten, heißt es weiter. Das Ganze sei vergleichbar mit einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Was könne also schlecht daran sein? Das ist eine Argumentation, die echte Narren lieben. Die Foolishe Gegenfrage lautet: Soll man also Falsches tun, weil man annimmt, das andere sich ebenso irrational verhalten? Muss ich mehr sagen?

Fazit: Chart-Analyse geht schnell, ist lustig und taugt nichts für Foolishe Investments. Aber wer sie mag, soll sie ruhig anwenden, denn schließlich soll hierzulande jeder nach seiner Facon selig werden. Aber passt auf, dass euch nicht plötzlich der Candle Stick Hammer erwischt.

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