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Die Deutsche Bank Aktie scheint billig, aber soll man sie kaufen?

Foto: The Motley Fool.

Es ist ganz klar, warum man nicht in Aktien der Deutsche Bank (ETR: DBK) investieren würde.

Die Zahlen erzählen mindestens die Hälfte der Geschichte. Zwischen 2009 und heute hat der Umsatz sich kaum bewegt, aber der Vorsteuergewinn ist nur noch ein Bruchteil des Gewinns von 2009 (vergiss den Gewinn aus 2006!). Niedrigerer Gewinn heißt aber auch niedrigere Gewinnmargen – die Eigenkapitalrendite vor Steuern für 2013 betrug nur 2,6 % gegenüber 15,3 % für 2009. Und obwohl das Eigenkapital jetzt relativ gesund erscheint, hat die Bank im Juni 2014 8,5 Milliarden Euro über eine Neuausgabe von Aktien eingenommen, um ihr Eigenkapital zu stärken. Und dies war nicht die erste Kapitalerhöhung in 2014.

Aber es sind nicht nur die Zahlen. Das juristische Bild ist auch nicht toll. Im zweiten Quartal erhöhte die Bank ihre Rückstellungen für Vergleiche wegen, wie CFO Krause es formulierte: „möglicher Auswirkungen auf die Bank aufgrund kürzlich erfolgter Vergleiche bei anderen Banken“. CFO Krause versuchte optimistisch zu klingen, es gibt aber noch viele Unwägbarkeiten. Wie er sagte:

Es ist in unserem ureigensten Interesse, diese Angelegenheiten so rasch wie möglich zu lösen. Doch es gibt erhebliche Ungewissheiten über das Timing und die Höhe der möglichen Schadenersatzverfahren, auf die wir keinen Einfluss haben.

Und wir sollten nicht vergessen: Als Folge der Finanzkrise nehmen Regulatoren auf der ganzen Welt die Banken unter die Lupe und entwerfen neue, strengere Regeln. Es ist sicherlich nicht von der Hand zu weisen, dass diese Regeln einen negativen Einfluss auf die Bankgewinne haben können.

Insgesamt klingt das nicht so, als ob Deutsche Bank Aktien ein attraktives Angebot sind, oder?

Aber, aber sie sind … so billig!
Die typische Bewertungsmethode für eine Bank ist das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV). Das ist der Börsenkurs der Bank dividiert durch das Eigenkapital der Bank. Ganz allgemein, ein KBV unter eins ist attraktiv und ein KBV höher als zwei ist nicht attraktiv (es ist nicht ganz so einfach, aber das ist ein Thema für einen anderen Artikel). Und wie ist das KBV der Deutsche Bank heute? Nach Standard & Poors Capital IQ, nur 0,52.

Das ist nicht nur niedrig, das ist wahnsinnig niedrig.

Billig alleine ist allerdings kein ausreichender oder vernünftiger Grund eine Aktie zu kaufen. Mit einer nur billigen Aktie kann es sein, dass du lediglich Mitinhaber eines schlechten Unternehmens bist. Das heißt ein Unternehmen mit einer lausigen Marktlage, ohne unwiderstehliche Produkte und einer enttäuschenden Führung. So eine Aktie wollen wir nicht.

Aber manchmal kann eine Aktie billig sein, weil Anleger Bedenken über die da oben haben, auch wenn diese nicht völlig gerechtfertigt sind. Solche Situationen können großartige Kaufgelegenheiten sein. Im Laufe der Zeit werden Anleger, die diese Chancen nutzen, von beidem profitieren: dem Wachstum des Unternehmens und dem Anstieg des KBV.

Also dann, die Deutsche Bank: Unterbewertet, oder doch nicht?

Die Deutsche Bank hat einen guten Bericht über das zweite Quartal abgeliefert. Aber wir sollten einem einzigen Quartal nicht allzu viel Bedeutung  beimessen. Die Bedenken, die ich oben aufgeführt habe, sind echt. Es ist ein großer Berg den die Bank stemmen muss.

Wir können mit hoher Wahrscheinlichkeit sagen, dass die Bedenken zur Deutsche Bank schon im Aktienkurs eingepreist sind. Ein KBV um 0,5 ist extrem und spricht dafür, dass es viele Bedenken zur Bank gibt. Mit einem so niedrigen Bewertungsmultiplikator gibt es wenig Raum für weiteren Pessimismus. Andererseits gibt es vielleicht Gründe für einen gewissen, kleinen Optimismus…

Aber noch einmal, es ist nicht nur die niedrige Bewertung. Die Deutsche Bank ist eine der größten Banken der Welt. Denke einen Moment darüber nach. Man kann eine ähnliche Bank nicht über Nacht aufbauen. Und mit ihrer weltweiten Präsenz kommen viele Vorteile hinzu, einschließlich einer günstigen Finanzierung, Kundenbeziehungen und Markenbekanntheit. Und während das außerhalb Deutschlands wichtig ist, ist es innerhalb Deutschlands sogar noch wichtiger. Hier ist sie die größte Bank.

Größe reicht allerdings nicht, um ein Unternehmen zu einer guten Investition zu machen. Viele große Unternehmen waren schlechte Investitionen. Doch es kann bei Banken ein wenig anders sein. Riesige Banken leben und sterben mit der Wirtschaft ihrer Heimat. Klar, die Deutsche Bank hat Hürden zu überwinden. Aber die deutsche Wirtschaft ist eine starke Wirtschaft, an die ich langfristig glaube.

Kombiniere diese drei Elemente — niedriger Preis, eine schwierig zu erreichende Marktposition und eine Heimat in einer der stärksten Wirtschaftsnationen der Welt – und ich erkenne die Chance für eine gute Investition.

Ich bin derzeit noch nicht ganz so weit, Aktien der Deutsche Bank zu kaufen. Bevor ich eine Aktie kaufe, möchte ich einen genauen Überblick über verschiedene Faktoren haben, einschließlich Führung, Strategie und Konkurrenz. Aber nicht alle Unternehmen erscheinen mir so attraktiv, dass ich weitergehende Nachforschungen anstellen möchte. Aber die Deutsche Bank ist eines dieser Unternehmen.

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Matt Koppenheffer besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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