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Wie das Königreich Saudi-Arabien die Energieproduktion der nächsten 100 Jahre beherrschen könnte

Fotokredit: Public Domain.

Letzten Monat hat Saudi-Arabien bekanntgegeben, dass es plant, seinen Aktienmarkt im Januar 2015 zum ersten Mal in seiner Geschichte für direkte Investitionen aus dem Ausland zu öffnen.

Dieser Schritt ist einer von vielen, der in einer konzertierten Aktion dazu führen soll, die Wirtschaft des Landes zu diversifizieren, um die Abhängigkeit vom Erdöl zu reduzieren. Und die Regierung zählt auf ausländische Investoren, um diese Entwicklung zu beschleunigen.

Außerdem ist die Regierung gewillt, ihren eigenen Anteil beizutragen, indem sie sich ein extrem ehrgeiziges Ziel bezüglich der Solarenegieproduktion im Land gesetzt hat, ehrgeiziger als jedes andere Land. Sollte das Land dieses Ziel umsetzen, könnte Energieinnovation aus dem Mittleren Osten fließen, wie bisher nur das Erdöl.

Das Ölproblem
Im Jahr 2013 hat der Staat SaudiArabien 274 Milliarden US-Dollar an der Ölproduktion im eigenen Land verdient. Der Verkauf von Erdöl hat einen Anteil von 90% am Gesamtexport des Landes und erwirtschaftet 80% der Staatseinnahmen. Das macht Saudi-Arabien zu einem Bilderbuchbeispiel für einen Ölstaat, und genau das wird langsam zu einem großen Problem.

Wenn Saudi-Arabien seit den 1980ern den selben Ölverbrauch beibehalten hätte, würde diese Konversation nicht geführt werden. Aber das massive Wachstum der Wirtschaft – nun eine der erfolgreichsten Volkswirtschaften in den G20 – treibt den Ölkonsum weiter an, während die Ölproduktion auf mehr oder minder dem gleichen Level verharrt:

SA Oil chart 1

Quelle: EIA.gov

Der Zuwachs beim Ölverbrauch wird mehr oder minder ausschließlich vom steigenden Energieverbrauch getrieben, der wiederum drastisch ansteigt, während die Wirtschaft und die Population im Lande schnell wachsen. Die Zahl der Einwohner in Saudi-Arabien ist von 20 Millionen im Jahr 2000 auf geschätzte 29.7 Millionen angewachsen. Das Resultat dieses Wachstums lässt sich sehr einfach an den Abbildungen ablesen.

SA Oil graph 2

Quelle: EIA.gov

Im Gegensatz zu den USA ist Saudi-Arabien extrem vom Erdöl abhängig, wenn es darum geht, elektrischen Strom herzustellen. Ungefähr 50% des Stroms in Saudi-Arabien stammt aus Erdöl-getriebenen Kraftwerken, verglichen mit nur 1% in den USA.

Während sich also die Amerikaner der Solarenergie zuwenden, um Kohlekraftwerke zu ersetzen und eventuell Elektrofahrzeuge zu betreiben, versucht Saudi-Arabien verzweifelt, seine erdölabhängige Stromproduktion auf Solarenergie umzustellen, um die Exporteinnahmen für die Zukunft zu sichern und die Einnahmen für den Staatshaushalt aufrecht zu erhalten.

Solar-Energie als Lösung
Im Jahr 2012 verkündeten die Direktoren der King Abdullah City for Atomic and Renewable Energy das ambitionierte Ziel, eine 109 Milliarden Dollar starke Solar-Industrie zu schaffen, die im Jahr 2032 Anlagen mit einer Leistung von 41 Gigawatt Solarenergie im Land betreiben sollte. Das würde einem Anteil von einem Drittel der Energieproduktion Saudi-Arabiens entsprechen.

Nachdem dieser Ankündigung zunächst wenige Taten folgten, ließ Saudi Aramco – der nationale Ölkonzern im Mai verlauten, dass er damit beginnen würde, Solar-Projekte zu entwickeln. Der Konzern hat bereits Verträge unterzeichnet, um Kraftwerke mit einer Gesamtleistung von 300 Megawatt Solarenergie in abgelegenen Gegenden zu bauen, um die Notwendigkeit von Erdöl-verbrennenden Kraftwerken in diesen Gegenden zu reduzieren. Unabhängig davon, ob das 109 Milliarden-Dollar-Ziel erreicht wird oder nicht: Wenn es ein Land gibt, das dieses Ziel erreichen könnte, dann ist es Saudi-Arabien.

Der Vorteil Saudi-Arabiens
Thierry Lepercq, der Gründer und Präsident von Solairedirect in Frankreich, nimmt an, dass Saudi-Arabien die niedrigsten Stromgestehungskosten (levelized costs of energy, LCOE) der Welt erreichen könnte, insbesondere vor dem Hintergrund, dass die Kosten für große Solarkraftwerke seit 2009 um 75% gefallen sind. (LCOE werden verwendet, um die Gestehungskosten über alle Energiequellen hinweg zu vergleichen, und sollten idealerweise alle Kosten für Investitionen, Brennstoff, Betrieb, Erhaltung usw. beinhalten.)

Neben den geringen Kosten hat Saudi-Arabien einige andere Faktoren, die sich positiv für Solar-Projekte in dem Land auswirken. Wie Dr. Raed Bkayrat, der Vize-Präsident von First Solar für Saudi-Arabien erklärt:

Aufgrund des Zugangs zu allen wichtigen Elementen – Niedrige Finanzierungskosten, vorhandenes Land, hohe Sonneneinstrahlung, und lokal vorhandene, gut ausgebildete Arbeitskräfte – kann ich keine Gründe erkennen, wieso Saudi-Arabien nicht Solar-Kraftwerke mit im regionalen Vergleich sehr geringen Stromgestehungskosten bauen können sollte.

Ein perfekter Sturm: Die Notwendigkeit, Solarkraftwerke zu errichten, um den heimischen Verbrauch von Erdöl zu senken, trifft hier auf die niedrigsten Produktionskosten gepaart mit einer Menge vorhandenem Kapital.

Aber bevor Saudi-Arabien den Solar-Energiemarkt in jener Art und Weise dominieren kann, wie es die Ölproduktion dominiert, muss es mehr tun, als nur Solarkraftwerke zu Hause zu bauen. Es könnte Energie in seine Nachbarländer exportieren – etwas, dass zumindest bereits angedacht ist. Aber es wird auch eigene Innovationen entwickeln und exportieren müssen.

Dabei ist auch die Innovation in Saudi-Arabien bereits auf einem guten Weg. Forscher der King Abdullah University for Science and Technology haben z.B. den NOMADD entwickelt, einen Roboter, der Staub von Solarpanelen entfernen kann, ohne dafür Wasser zu benötigen – eine wichtige Entwicklung vor dem Hintergrund, dass Wasser in der Wüste sehr kostbar ist und Staub die Leistung von Solarzellen um bis zu 60% reduzieren kann. Und theoretisch kann diese Technologie, sobald sie einsatzbereit und erprobt ist, in andere Länder der Region exportiert werden.

Das Entscheidende
Es sieht so aus, als würde in Saudi-Arabien eine Menge zusammenkommen, doch was nun notwendig ist, sind Ergebnisse. Nächsten Monat werden Manager internationaler Solarfirmen in Saudi-Arabien zur Desert Solar Conference zusammenkommen, wo sie auch die Saudi-Arabische Seite treffen werden, um gemeinsam einen Plan für die Zukunft der Solarenergie in der Region aufzustellen. Investoren, die sich für Solar-Energie interessieren, sollten sehr genau hinschauen, um zu erfahren, was die nahe Zukunft in Saudi-Arabien für die Solarindustrie bereithält.

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