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Wir haben noch Öl für mehr als 53 Jahre

Fotokredit: Chesapeake Energy media relations.

Das Jahr 1981 hat gerade angerufen und uns mitgeteilt, dass das Öl alle ist. Und wenn man die Berichte und Schätzungen von damals zugrunde legt, sollte das auch so sein.

Damals konsumierte die Welt knapp unter 60 Millionen Barrel Öl am Tag, und die nachgewiesenen Ölreserven der Welt lagen bei beinahe 700 Milliarden Barrel. Bei der damaligen Verbrauchsrate hätte die Welt ihre nachgewiesenen Reserven irgendwann im Dezember 2013 aufgebraucht. Aber anstatt den letzten Tropfen Öl aus der Erde zu quetschen, hat sich die Produktion um 46% erhöht und gleichzeitig stehen die nachgewiesenen Reserven mit 1 Billion Barrel wesentlich höher als vor 33 Jahren.

Hat irgendein geologisches Wunder die Menge an Öl, die wir über die letzten drei Dekaden gefördert haben, mehr als verdoppelt? Natürlich nicht. Es ist mehr die fehlende Verbindung zwischen dem, was physisch vorhanden ist, und der Art und Weise, wie die Daten über die vorhandenen Ölreserven offiziell erfasst werden. Lasst uns einmal einen Blick darauf werfen, warum diese Zahlen so irreführend sind und warum die heutige Projektion von weiteren 53 Jahren Erdölförderung – die auf Zahlen von BP basieren – mit hoher Wahrscheinlichkeit auch falsch ist.

Irgendetwas zwischen 53 und 250 Jahren, jeder kann sich seinen Wert aussuchen
Es gibt eine große Anzahl von Möglichkeiten, die Menge des verbleibenden Erdöls zu erfassen, aber die am weitesten verbreitete sind die „nachgewiesenen Reserven“. Wenn man die nachgewiesenen Reserven durch den jährlichen Verbrauch teilt, dann erhält man die theoretische Reichweite der Reserven. So ist sowohl die heutige Reichweite von 53 Jahren als auch in reichweite von 35 Jahren im Jahr 1981 zustande gekommen. Während diese Zahlen leicht nachzuvollziehen sind, können sie einen jedoch auf die falsche Fährte führen. Denn sie setzen voraus, dass der Verbrauch in Zukunft konstant bleibt und dass die Zahlen für die derzeitigen „nachgewiesenen Reserven“ tatsächlich all das Öl einschließen, welches noch da ist. Und wir alle wissen, dass das nicht der Fall ist.

Das Problem mit dem Begriff “nachgewiesene Reserven” ist, dass viele annehmen, dass dieser die physichen Grenzen der Ölförderung umschreibt, tatsächlich ist es aber eine auch unter ökonomischen Gesichtspunkten kalkulierter Wert. Jedes Land hat seine eigene Art und Weise, die „nachgewiesenen Reserven“ zu berechnen, aber im Kern ist es das Volumen, von dem die Ölfirmen denken, dass sie es mit der derzeitigen Technik aus dem Boden bekommen, und dabei noch einen Profit machen – der wiederum von dem Preis abhängt, den Erdöl zu dem jeweiligen Zeitpunkt auf dem Markt erzielt.

Entsprechend kann dieser Schätzwert von verschiedenen Größen beeinflusst werden: Die Entwicklung neuer Technologien, die die Ölförderung günstiger macht, neue Bewertungen von Reservoirs, deren Ausbeutung vielleicht zuerst nicht ökonomisch erschien, oder auch der steigende Ölpreis, der Quellen profitabel macht, die vorher schlicht zu teuer waren. Am Ende beinhalten die „nachgewiesenen Reserven“ nur einen kleinen Teil des physisch in der Erde vorhandenen Erdöls. Die folgende Abbildung der U.S. Energy Information Administration visualiert die Idee dieses Konzeptes. (Die Abbildung ist nicht maßstabsgetreu.)

Quelle: U.S. EIA

Quelle: U.S. EIA

Quelle: U.S. Energy Information Administration.
Ubersetzt von The Motley Fool.

 

Wenn man sich den historischen Trend seit 1980 anschaut, dann ist offensichtlich, dass im Augenblick die Werte für die “nachgewiesenen Reserven” nur knapp unter dem historischen Höchststand liegen.

 

Crowe - Weltweit Reserven-zu-Produktion Verhältnis v2

Quelle: BP 2014 Statistical Review of World Energy, IMF Commodity Prices Index Database, U.S. Energy Information Administration und Berechnungen vom Autor.

 

Und das ist erst die Spitze des Eisbergs, denn diese Projektionen enthalten noch nicht jene Reserven, die bereits technisch aus dem Boden zu holen wären, deren Erschließung jedoch zum jetztigen Marktpreis nicht ökonomisch sinnvoll ist. Wenn man trotzdem alle bekannten, mit der heutigen Technik erschließbaren Reserven zusammenzählt, kommt man auf 100 Jahre Erdöl mit der jetztigen Fördertechnik beim heutigen Verbrauch. Und addiert man noch jene Reserven hinzu, die bekannt sind, aber mit der derzeitigen Technik nicht gefördert werden können, dann sitzen wir förmlich auf einem Vorrat für die nächsten 250 Jahre. Am Ende hängt alles davon ab, wieviel die Konsumenten bereit sind, für das Öl zu bezahlen.

Der Glaube eines “Fools”
Ich gehöre nicht zu denen, die das Konzept von “Peak Oil” komplett ablehnen, weil auch ich glaube, dass es natürlich ein physikalisches Ende der Reserven gibt – auch wenn zur Zeit weitere Billionen Barrel Öl von Mutter Erde zurechtgepresst werden, während wir sprechen, die aber tausende von Jahren brauchen werden, bis sie zu Ölreserven werden, wie jene, die wir heute fördern. Es ist jedoch wesentlich wahrscheinlicher, dass wir auf ökonomischer Ebene an die Grenzen dessen stoßen, was uns zu fördern sinnvoll scheint, als dass wir tatsächlich den letzten Tropfen Erdöl fördern.

Für Investoren ist es wichtig diese Dynamik zu verstehen, damit wir keine überstürzten Entscheidungen treffen bezüglich unserer langfristigen Investitionen. Ist es also möglich, dass wir in 53 Jahren kein Erdöl mehr verwenden? Das ist nicht wahrscheinlich, aber wenn es tatsächlich so kommen sollte, dann eher, weil wir andere ökonomischere Wege gefunden haben, unseren Energiebedarf zu decken, als wegen der physikalischen Grenzen dessen, was sich unter der Erde befindet.

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