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Warum ich trotz Geldsegen (noch) nicht in die BVB Aktie investiere

Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA (FRA:BVB), wird in naher Zukunft eine ganze Menge Geld bekommen.

Trikotsponsor Evonik Industries AG (FRA:EVK), BVB Ausrüster PUMA SE (FRA:PUM) und Stadion Namensgeber SIGNAL IDUNA Allgemeine Versicherung AG garantieren zusammen bis zu 17,7 Mio der 24,5 Mio neuen Aktien zu zeichnen. In anderen Worten: Die Vereinskasse wird um mindestens 82 Mio Euro und maximal 114 Mio Euro dicker. Und das zusätzlich zu den 26 Mio Euro, die erst im Juni von der Evonik eingebracht wurden.

Eine stolze Summe. Trotzdem glaube ich nicht, dass die Aktie eine gute Wahl für „Buy und Hold“ Investoren ist.

Eine Bewertung von knapp unter 400 Mio Euro
Die drei genannten Unternehmen würden sich mit den 82 Mio Euro 21% der zukünftigen Anteile des BVB sichern. Das entspricht einer Bewertung von knapp unter 400 Mio Euro. Für alle die jetzt denken, dass der BVB damit in die finanziellen Sphären von Branchenprimus Bayern München vorstößt, hier ein Vergleich: Bayern hat im vergangenen Februar 110 Mio Euro von der Allianz SE (FRA:ALV) für eine 8,33%ige Beteiligung erhalten. Das entspricht einer Bewertung von 1,32 Mrd Euro. Richtig gelesen, das ist mehr als das Vierfache des BVB.

Was für uns aber wesentlich wichtiger ist: Welchen Unterschied machen die zusätzlichen bis zu 140 Mio Euro im Vergleich zu den bisherigen finanziellen Mitteln des BVB? Schauen wir uns dazu die Zahlen der vergangenen vier Jahre an. 

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*Free Cash Flow ist hier definiert als Operativer Cash Flow abzüglich Investitionen in immaterielle Vermögensgegenstände (hauptsächlich Spieler) und Sachanlagen (z.B. Stadionsanierungen).
Quelle: BVB Geschäftsberichte.

 

Der Umsatz ist in den vergangenen Jahren Dank der sportlichen Erfolge kontinuierlich auf über 250 Mio Euro gestiegen. Im Gegensatz dazu scheint die jetzige Kapitalerhöhung gar nicht so viel. Schauen wir uns aber den Free Cash Flow an — das Geld das dem BVB jedes Jahr nach Investitionen in Spieler und Sachanlagen noch zur Verfügung steht. Dieser betrug in den letzten vier Jahren durchschnittlich rund 16,2 Mio Euro.

Und jetzt sehen wir die Kapitalerhöhung ins rechte Licht gerückt: Um 140 Mio Euro an Cash zu verdienen, müsste der BVB den Erfolg der vergangenen 4 Jahre in den kommenden 8 Jahren wiederholen. Ich wage zu behaupten, dass die Vereinsführung es sofort unterschreiben würde, wenn ihnen das jemand garantieren könnte. Jetzt hat der Verein die Möglichkeit, diese Summe auf einen Schlag einzunehmen. Warum also warten, das macht Sinn für den Club!

Was macht der BVB damit?
Die kurzfristig angelegten Erlöse aus dem Börsengang im Jahre 2000 haben den Verein fast in den Bankrott getrieben. Das heutige Management unter der Führung von Hans Joachim Watzke denkt langfristiger. Man wolle

die Erlöse dazu verwenden, das Wachstum zu fördern … Und erst in einem zweiten Schritt aus diesem Wachstum heraus den Spieleretat erhöhen

Es sollen:

40 Millionen EUR zur Rückführung von Finanzverbindlichkeiten verwendet werden und die verbleibenden Mittel zur Erhöhung der finanziellen Widerstandsfähigkeit als Liquiditätsreserve vorgehalten werden.

Was heißt das? Zum einen bleibt der BVB seiner Linie der letzten Jahre treu und fördert den sportlichen Erfolg durch nachhaltige Arbeit anstatt ihn mit erhöhtem Risiko versuchen zu erzwingen. Zum anderen sollten durch die geringeren Verbindlichkeiten ca. 2,2 Mio Euro weniger Zinszahlungen anfallen (gerechnet mit einem Zins von 5,4% — der gewichteten Verzinsung aller langfristigen Verbindlichkeiten des BVB aus dem letzten Geschäftsbericht).

Dieser Effekt könnte sich zwar durch zukünftige Dividenden ins Negative umkehren — die diesjährige Dividende von 10 Cent pro Aktie angerechnet auf die 24,5 Mio zusätzliche Aktien würde 2,45 Mio Euro zusätzliche Dividendenzahlungen bedeuten. Und das aus versteuerten Geldern. Allerdings, im Gegensatz zu den Zinsen kann der BVB die Dividende nach eigenem Ermessen Zahlen und vom zukünftigen finanziellen Erfolg abhängig machen.

Finanziell und sportlich auf einem erstklassigen Weg, wo liegt das Risiko für den Investor?
Kurz gesagt: In der Schnelllebigkeit des Sports. Zwei deutsche Meisterschaften, zwei Vizemeisterschaften, ein DFB Pokalsieg, zwei DFL Supercupsiege und eine UEFA Champions League Finalteilnahme kann der BVB aus den letzten vier Jahren vorweisen. Dem gegenüber stehen allerdings regelmäßige Abgänge von Top-Leistungsträgern — 2011 war es Lukas Barrios, 2012 Shinji Kagawa, 2013 Mario Götze und 2014 Robert Lewandowski. Ein Ende des Trends scheint noch nicht in Sicht, urteilt man nach den aktuellen Diskussionen um Marco Reus.

Und wenn man die transferbereinigten Umsätze des BVB im Vergleich anschaut, kann man nachvollziehen weshalb es dem Club schwerer fällt als anderen seine Stars zu halten.

Die transferbereinigten Umsätze der 15 umsatzstärksten Fußballclubs in Europa

Die transferbereinigten Umsätze der 15 umsatzstärksten Fußballclubs in Europa

Quelle: Deloitte. „Deloitte Football Money League 2014„.

 

Bisher konnte der BVB diese Verluste Dank seiner Geschicke im Scouting, der Verpflichtung und dem Aufbau neuer Spieler kompensieren. Und aufgrund der langfristigen Verträge mit Trainer Jürgen Klopp (Vertrag bis 2018), Sportdirektor Michael Zorc (2019) und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke (2019) können Investoren guter Dinge sein, dass der BVB auch in den kommenden Jahren nach Rückschlägen wieder aufstehen wird.

Trotzdem wird sich nachhaltiger sportlicher Erfolg — und der damit einhergehende wirtschaftliche Erfolg — nur einstellen können, wenn Top-Leistungsträger in Zukunft leichter im Verein gehalten werden können. Die Kapitalerhöhung ist ein Schritt, die finanziellen Rahmenbedingungen dafür deutlich zu verbessern.

Fazit
Das zusätzliche Kapital erweitert den finanziellen Handlungsspielraum des BVB deutlich. Der Verein spielt aber noch lange nicht in der Liga der ganz Großen mit. Der langfristige Erfolg der Aktie wird sehr stark an den sportlichen Erfolg gekoppelt sein. Und da der BVB finanziell noch weit hinter seinen größten Konkurrenten zurück liegt, bedeutet das ein erhöhtes Risiko für „Buy und Hold“ Investoren wie mich.

Für Investoren mit mittelfristigen Anlagehorizonten bietet die heutige Entwicklung allerdings durchaus einen Interessanten Zeitpunkt in die BVB Aktie einzusteigen. Die zwei wichtigsten Dinge, auf die es dabei zu achten gilt sind:

  • Kann der Verein seine besten Spieler besser halten als bisher?
  • Was passiert in den Jahren 2018/2019: Kann der BVB weiterhin auf die Dienste von Jürgen Klopp, Michael Zorc und Hans-Joachim Watzke setzen oder wie sieht die Nachfolge aus?

Wenn sich diese Fragen mit Optimismus beantworten lassen, dann ist die BVB Aktie sogar für langfristig ausgerichtete Investoren definitiv ein zweiter Blick wert. Noch bin ich jedoch nicht davon überzeugt, dass das der Fall sein wird.

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Bernd Schmid besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

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