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3 Investitions-„Weisheiten“, ohne die ich sehr gut leben kann

Es gibt viele gute Investitionsweisheiten. Ein Großteil der Bonmots von Warren Buffett ist klug, und auch viele andere — wie Charlie Munger, Peter Lynch oder Joel Greenblatt — haben ihre sehr intelligenten Gedanken mit uns geteilt. Aber nicht alles, was unter dem Titel „Investitionsweisheit“ läuft und gerne wiederholt wird, ist immer zu empfehlen.

Hier sind drei Investitions-„Weisheiten“, die aus meiner Sicht nicht so klug sind, wie sie zuerst klingen. Und auch wenn sie dir manchmal einen guten Dienst erweisen können, sich blind auf sie zu verlassen ist eine schreckliche Idee.

1. „Gewinne laufen lassen, Verluste begrenzen.“
Wenn man diesen Satz das erste Mal hört, dann klingt es wie ein sinnvoller Vorschlag. Warum sollten Anleger an Aktien festhalten, die Verluste einfahren? Und wenn eine Aktie Gewinne macht, warum sollte man sie nicht halten und noch mehr Gewinne kassieren?

Tatsächlich, bestreite ich nicht immer die Aussage des obigen Sprichwortes. Manchmal ist es auch richtig. Zum Beispiel verleitet uns oft die Haltung, dass wir unbedingt Verluste vermeiden wollen , eine sinkende Aktie zu behalten, obwohl das Unternehmen kämpft und die Führungsspitze des Unternehmens sich in dieser Situation nicht zu bewähren scheint. Man denkt: „ Ich warte noch bis die Aktie wieder zurückkommt, und dann verkaufe ich mit Gewinn.“ Und während man wartet, wird die Situation noch schlechter und die Aktie sinkt weiter. Hier macht das „Verluste begrenzen“ sehr viel Sinn.

Aber häufig geht das nicht so aus. Manchmal ist „Mr. Market“ — über den Superanleger Ben Graham gerne spricht – zu dumm und er verkauft seine Aktie bei einen Kurs, der einfach keinen Sinn macht. Die Aktie sinkt, aber das Unternehmen stinkt nicht. In dieser Situation sollte man besser nicht verkaufen.  Eigentlich könnte man sogar mehr kaufen, solange der Kurs so niedrig ist.

Das Gleiche gilt für „Gewinne laufen lassen.“ Manchmal macht es Sinn, aber nicht immer. Als Anleger sollte man eine Idee haben, wieviel jede Aktie im Depot wert sein sollte. Wenn eine Aktie steigt und viele Gewinne abwirft, aber der Kurs liegt unterhalb des geschätzten Wertes des Unternehmens … Warum sollte ich dann verkaufen? Aber wenn der Börsenkurs weit über den Wert des Unternehmens steigt, kann es natürlich Sinn machen, zu verkaufen.

2. „Du verlierst nicht, wenn Du Gewinne mitnimmst.“
Technisch ist das richtig — auch ich kann mir nicht ausdenkenen, wie man verliert, wenn man Gewinne macht. Aber wir investieren nicht, um nicht zu verlieren, oder?

Hier haben wir wieder die Weisheit vom „Gewinne laufen lassen.“ Wie ich oben bereits geschrieben habe, macht es manchmal Sinn eine Aktie zu behalten, wenn sie schon Gewinne gemacht hat. Und wieder dreht sich alles um das Verhältnis vom Kurs der Aktie zum Wert des Unternehmens.

Also, was passiert, wenn man dieser „Weisheit“ folgt? Es ist möglich viele weitere Gewinne zu verpassen.

Nehmen wir zum Beispiel Amazon.com (FRA: AMZ). Motley Fool-Mitbegründer David Gardner hat 1997 Aktien von Amazon gekauft. Zwischen 1997 und 1999 ist die Aktie von Amazon gestiegen und gestiegen… und gestiegen. David hätte jetzt verkaufen können, und er hätte sicher nichts verloren. Aber er hat die Aktien gehalten. Und im Jahr 2014 wurde Amazon für David zum 100-Bagger (Link auf Englisch) — das heißt, die anfängliche Investition hat sich für ihn verhundertfacht.

Natürlich geht das nicht immer so. Aber wenn Du immer dem Gebot „Gewinne mitnehmen“ folgst, siehst Du nie die ganz großen Gewinne.

3. „Der Trend ist Dein Freund.“
Das hören wir oft von Aktienhändlern. Und die meinen damit, dass man die Aktienkurven anschauen muss, und dass man Aktien kaufen sollte, wenn die Kurve hinauf geht, und sie verkaufen sollte, wenn die  Kurve nach unten weist. Das würde viel Sinn machen, wenn Aktienkurven so vorhersehbar wären. Sind sie aber nicht. Sie sind eigentlich recht chaotisch, und auf den Trend zu schauen ist leider kein magischer Gewinnerzeuger.

Für wen ist dieses Sprichwort wirklich gewinnbringend? Aktienhändler. Wann wir „dem Trend“ folgen, müssen wir immer reagieren. Heute steigt der Kurs und wir rufen: „Kaufen, kaufen, kaufen!“ Und dann: „Jetzt sinkt der Kurs! Verkaufen! Sofort!“ Und jedes Mal, wenn wir kaufen oder verkaufen, bezahlen wir dem Händler eine Provision. Und während unseren Aktienhändler lächelt, wird unser Kapitalstock tatsächlich geringer, anstatt anzuwachsen.

Aber wenn nicht der Trend, wer ist dann wirklich Dein Freund? Ein Verständnis von den Unternehmen zu haben, mathematische Grundkenntnisse, und die Geduld damit Du kluge Kauf- und Verkaufsentscheidungen fällen kannst. Die Investitionen eines „Fools“ hängen nicht von Kurven und seltsamen Mustern ab. Stattdessen konzentrieren wir uns darauf, Unternehmen zu analysieren, und herauszufinden, welchen Wert diese Unternehmen haben.

Markige Investitionssprüche können manchmal sehr hilfreich sein. Aber wir müssen vorsichtig sein, weil nicht jede dieser „Weisheiten“ immer wirklich weise ist.

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Matt Koppenheffer besitzt Aktien von Amazon.com. The Motley Fool empfiehlt Amazon.com. The Motley Fool besitzt Aktien von Amazon.com.

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