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Das Internet der Dinge: Unsere größte Chance, den Klimawandel zu bekämpfen

Foto: U.S. Air Force

Kommunikation zwischen Maschinen (M2M; vom Englischen: „Machine-to-machine communication“), auch das Internet der Dinge genannt, ist kurz davor die Welt im Sturm zu erobern. Im Kern bedeutet M2M die Möglichkeit, alles mit allem zu verbinden. Und mit alles meine ich alles, so dass ein riesiges Netzwerk aus Sensoren und Geräten entsteht, die mit einander kommunizieren können. Die Entwicklungen im Rahmen dieser technischen Evolution erschließen ein riesiges Anwendungsspektrum: Von der Überwachung des Herzens eines Patienten von seinem Smartphone aus, bis hin zum intelligenten Haus, das weiß wo du bist und das Licht und die Heizung automatisch an- und ausschaltet.

Das Internet der Dinge wird unsere Leben über so vielfältige Wege beeinflussen, so dass sich dieser Wandel nur schwer in einem einzelnen Konzept beschreiben läßt. Also lass uns heute  auf einen speziellen Aspekt eingehen, auf den das Internet der Dinge einen immensen Einfluß haben könnte: Den Energieverbrauch. Diese Technologie könnte nicht nur das Anschalten der Beleuchtung im Haus einfacher machen, sie könnte der Schlüssel für uns sein, die Emission von Kohlenstoffen zu kontrollieren.

Unabhängig von der Frage, wie weit jemand an den Klimawandel, an seine Größenordnung oder an den Zusammenhang zwischen Klimawandel und Kohlendioxid glaubt, werden sich die allermeisten von uns auf eine Sache einigen können: Es ist gut, weniger Kohlendioxid zu erzeugen, insbesondere wenn diese Reduktion das Wirtschaftswachstum nicht beeinträchtigt. Viele Jahre lang wurde der Konflikt um den Klimawandel vor allem auf der Seite der Energieerzeugung ausgetragen, wo Alternativen wie Wind- und Solarkraft gegen fossile Brennstoffe ins Feld geführt wurden. Doch es gibt ein Problem mit dieser Auseinandersetzung: Selbst der ambitionierteste Plan für den Ausbau alternativer Energien wird nicht ausreichen, um die Kohlendioxidemissionen unter ein Level zu drücken, das Wissenschaftler für die Verhinderung eines Klimawandels im nächsten Jahrhundert als notwendig erachten.

Bedeutet das, dass es keine Chance mehr auf eine Reduktion des weltweiten Kohlendioxidausstoßes gibt? Nein — wir konzentrieren uns nur unglücklicher Weise auf die falsche Seite der Energiegleichung. Und das ist der Punkt, an dem M2M wichtig wird. Lass uns einen Blick darauf werfen, wie das Internet der Dinge uns helfen kann, Kohlendioxidemissionen zu verringern und gleichzeitig Investoren eine großartige Rendite zu bieten.

Die überfällige Evolution des Energieverbrauchs
Wir Menschen sind ein faszinierendes Beispiel für Ineffizienz. Wir sitzen lieber im Stau auf der Autobahn, anstelle eine andere Route über kleinere Straßen zu wählen. Wir speisen zuviel Energie in unser Stromnetz ein, da wir nicht genau wissen, wieviel Energie wann und wo gebraucht wird. Dabei wollen wir natürlich nicht notwendiger Weise ineffizient handeln; uns fehlen nur häufig die entscheidenden Informationen, um effizienter zu sein.

Doch wenn man all diese kleinen Ineffizienzen zusammenrechnet, kommen am Ende der Gleichung enorme Mengen verschwendeter Energie und damit unnötiger Weise ausgestoßenes Kohlendioxid heraus. Zum Beispiel werden in den USA jährlich ungefähr 7.2 Milliarden Liter Benzin von im Stau stehenden Autos verschwendet. Das alleine bedeutet 186 Millionen Tonnen unnützen Kohlenstoffdioxidausstoß pro Jahr in den USA.

Stell dir jetzt mal eine Welt vor, in der jedes Auto mit jedem anderen Auto kommunizieren kann, und diese Kommunikation zu einer Echtzeit-Verkehrslage verrechnet wird, die es jedem Autofahrer erlaubt die schnellste und einfachste Route zu wählen. Das ist eines der fundamentalen Konzepte von M2M und es geht weit über die Größenordnung von Fahrzeugen hinaus.

Ein weiterer Vorteil dieser Technologie ist der positive Einfluss, den sie auf unseren täglichen Energieverbrauch und damit auf die Reduktion des Kohlendioxidausstosses haben könnte. Eine Studie des Carbon War Room schätzte vor kurzem, dass die Verwendung von M2M im Energie-, Transport-, Bau- und Landwirtschaftssektor zu einer Reduktion der globalen Treibhausgase um 9,1 Gigatonnen Kohlendioxid-Equivalente pro Jahr führen könnte. Das sind 9,1 Billionen Kilogramm oder der gesamte Treibhausgas-Ausstoß der USA und Indiens zusammen. Außerdem ist es mehr als dreimal soviel wie der ambitionierteste Plan für den Ausbau der erneuerbaren Energien sparen würde.

Wie soll das funktionieren? Bessere Kommunikation zwischen allem – Motoren, Geräten, Generatoren, Autos – erlaubt sofortiges Feedback. Das wiederum hat verschiedene Effekte: Effizientere Reiserouten; optimierter Düngemitteleinsatz und optimierte Bewässerung – was wiederum die Entwaldung reduziert. Die Echtzeit-Überwachung des Energieverbrauchs und das sofortige Feedback zu Generatoren und den voll integrierten Heizungs- und Kühlungsanlagen reduzieren den Energieverbrauch ebenso wie Beleuchtungssysteme, die sich der Anwesenheit der Personen anpassen.

Es gibt zahlreiche Studien und Vorhersagen bezüglich der Menge an Kohlendioxidemission und dem zu erwartenden Effekt auf den Treibhauseffekt und das Klima. Aber eine Zahl, die als Standard aus den vielen anderen Zahlen herausragt, ist das 2˚C-Ziel und die Menge an Kohlendioxid-Emissionen, die eingespart werden müssen, um dieses Ziel zu erreichen. Laut dem UN Umwelt-Programm UNEP muss der jährliche Ausstoß von Treibhausgasen aus fossilen Quellen um 15% reduziert werden, damit sich die Erde im nächsten Jahrhundert nicht um 2˚C oder mehr erwärmt. Auch der Carbon War Room kommt zu ähnlichen Zahlen: Setzt man die bereits oben zitierten 9,1 Gigatonnen Kohlenstoffdioxid, die vermieden werden müssen, ins Verhältnis zum Gesamtausstoß, so kommt man auf einen Anteil von 18.6%. Das ist eine sehr gute Übereinstimmung.

Das Internet der Dinge steckt zu weiten Teilen noch in seinen Kinderschuhen, aber es wächst schnell. Der abzusehende Boom von M2M erklärt auch, weshalb Google (FRA: GGQ1) gerade mehr als 3.2 Milliarden US-Dollar für den Kauf der Firma Nest Labsausgegeben hat, die intelligente Thermostate herstellt. Diese Technologie erlaubt Kunden das effiziente Heizen und Kühlen ihrer Häuser und gibt gleichzeitig wichtige Informationen an die Energiedienstleister weiter, so dass die Spitzenlastzeit besser geplant werden kann. Während einige die Zahl der Geräte, die am Internet der Dinge teilnehmen werden, auf mehrere Milliarden schätzen, steht anderen ein noch wesentlich größeres Internet der Dinge vor Augen. Wenn alles miteinander verbunden werden soll, um das Internet der Dinge wirkilch effektiv werden zu lassen, dann könnte die Zahl der Geräte die Billionengrenze überschreiten. Das wiederum könnte der Industrie einen kolossalen Umsatz von 948 Milliarden US-Dollar bescheren.

Die großen Technologie-Konzerne wie Google oder Intel (FRA: INL) werden ohne Zweifel große Fische in diesem schnell wachsenden Markt sein. Neben der Investition in Nest Labs für intelligentere Energienutztung im Haus, tritt Google mit seiner Open Auto Alliance auch in das Spiel um den Transport ein. Hinter dieser Allianz verbirgt sich eine Gruppe von Automobilherstellern und Technologieunternehmen, die Standards für die Kommunikation von Fahrzeugen verschiedener Hersteller untereinander entwickeln wollen – ein wichtiger Baustein auf dem Weg zu selbstfahrenden Autos.Wer kann diesen Firmen einen Vorwurf machen, sich in einen Markt zu werfen, in dem sich so viel Geld vedienen lassen wird?

Was ein Fool glaubt
Das Internet der Dinge kommt — und schneller als die meisten von uns denken. Für Investoren könnte das eine großartige Möglichkeit sein, in einen neuen Markt einzusteigen, während dieser sich noch entwickelt und die Preise noch günstig sind. Hier sind mehrere Billionen zu verdienen — und trotzdem bedeutet das Internet der Dinge noch so viel mehr. Höhere Produktivität und das Verhindern von Energieverschwendung durch intelligente Geräte könnte eine der Schlüsseltechnologien sein, um Treibhausgasemissionen so weit zu reduzieren, dass sich die Wahrscheinlichkeit eines Klimawandels signifikant reduziert. Wir können jetzt über den Verbrauch von fossilen Energieträgern oder alternative Energieerzeugung weiterstreiten — die Investoren, die wirklich auf die Reduktion von Kohlendioxidemissionen setzen wollen, werden ihr Geld besser hier anlegen.

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